Theater für junges Publikum

Geschichte der Schauburg

Die Geschichte der Schauburg ist nach sieben Jahrzehnten so abwechslungsreich wie aufregend. „Das Theater-Schmuckstück setzt seine Impulse weit über Deutschland hinaus mit Werken, die nicht Gebrauchsanweisungen zum richtigen Leben geben, sondern das Wahrnehmungs- und Urteilsvermögen trainieren und zum selbstständigen Denken verführen wollen.“ Christian Ude, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München a. ‌D.

Jetzt freuen sich alle auf das Jubiläum, auf die Sieben mit der Null. Denn 70 Jahre sind ein langes Leben, vor allem wenn weiterhin gilt:

Nicht aufhören zu streben.
Immer höher, immer weiter,
auf den nächsten Sprossen heiter!
Die Schauburg soll’s noch geben
eine lange Zeit,
denn dies Theater ist eine Besonderheit.

1926

In Schwabing-West wurde 1926 ein Lichtspielhaus am Elisabethplatz mit dem damals typischen Namen SCHAUBURG errichtet.

1953

1953 hatte der Schauspieler und Tänzer SIGFRID JOBST einen Traum und leider – oder zum Glück – auf dem Weg zu den Bavaria-Filmstudios einen Motorradunfall. Denn seine Versicherungsrente investierte er in ein Kindertheater. Ab 1954 wurde das Nudelbrett auf einem nackten Saalpodest bereits von der Stadt als MÜNCHNER JUGENDBÜHNE unterstützt. Und das Ehepaar Jobst spielte Märchen rauf und runter.

1969

1969 folgte der zweite Leiter NORBERT J. MAYER und setzte die Arbeit nun völlig anders im Kolpingsaal der Reitmorstraße im Lehel fort. Das Märchenrepertoire war abgeschafft! Unter seiner Ägide wurde das Haus ein Kommunikationszentrum, ein Ort der Provokation, der Agitation und des Protests. Emanzipatorisch inspiriert vom Berliner Grips Theater mahnte er zu Aufbruch und zu Rebellion.

1973

1973 war es vorerst vorbei mit den politisch-pädagogischen Themen. HEDDA KAGE und IVEN TIEDEMANN waren nur kurze Zeit ein künstlerisches Gespann. Sie setzten sich gegen Überpolitisierung und für mehr Bildfantasie ein, wollten Theater als Erlebnis für die ganze Familie präsentieren. Doch 1975 machten ihnen feuerpolizeiliche Gründe einen Strich durch die Rechnung: Die Reitmorstraße 7 musste schließen.

1975

1975 kommt JENS HEILMEYER – geschlossen war nun das alte Haus. Mobilität hieß das Gebot der Stunde, also machte „Oma Stingl“ in München die Runde. Auch auf Straßen und Plätzen wurde gespielt. Zurück im neuen Haus am Elisabethplatz verursachte Heilmeyer mit Stücken der Roten Grütze Proteste, denen Zensurmaßnahmen folgten. Verboten wurde „Was heißt hier Liebe?“ Das streute Sand ins Theatergetriebe.

1980

Unter dem Motto „Einer kämpft, der nächste erntet“ betrat 1980 JÜRGEN FLÜGGE das Parkett, ein Co-Autor aus Rote Grützes eben genanntem Liebesstück. Kindern und Jugendlichen traute er so manches zu, außerdem nutzte er die neu gewonnene ökonomische und künstlerische Freiheit von den Kammerspielen, um das Haus verschiedensten Strömungen und europäischen Theatermacher*innen zu öffnen. In diesen internationalen Arbeiten fand Flügge Inspiration, wodurch 1985, ’86 und ’88 drei beispielhafte Festivals SCHAUSPIELE zu erleben waren. Auch Autor*innen hat er gern gefördert, die den neuen Geist der Schauburg mittrugen.

1989

Ab 1989 folgte – wie bei der Gründung – die Leitung durch ein Paar: GEORGE PODT und DAGMAR SCHMIDT. 27 Jahre hieß es: Fragen statt Antworten oder Feuer entfachen statt Fässer füllen. Auch Kompliziertheit gegen Vereinfachung wurde postuliert. Im Fokus standen Literatur auf der Bühne und komplexe Theaterarbeiten.

2017 bis heute

2017 hat ANDREA GRONEMEYER mit ihrem Team das Ruder übernommen. Das Theater ist seitdem ein offenes Haus der darstellenden Künste für junge und jung gebliebene Zuschauer*innen. Kinder und Theateranfänger*innen rücken in das Zentrum der Schauburg. Neben Sprechtheater erobern Tanz-, Musiktheater und Cross-Over-Formate die Spielräume. Im LAB tummeln sich kreative Menschen aller Altersstufen.