SchauBurg - Kinder- und Jugendtheater der Stadt München
Kein Geld für niemand
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Kein Geld für Niemand
Bittere Erkenntnis
Banken machen Geld
Geldprobleme
Geld ausgeben
Fragen am Abgrund
PS

Kein Geld für Niemand
Die Vorstellung ist eine Revue rund ums Geld. Die doppelte Verneinung im Stücktitel weist auf den spielerischen Charakter der Inszenierung hin, die sich in leichtfüßiger Form mit dem schwerwiegenden Thema „Geld“ auseinandersetzt.
Es beginnt mit der Ankündigung, dass alles Geld vernichtet werde. Geld in jeder Form: Münze, Scheckkarte, Aktie. Geld habe statt Zufriedenheit und Erfüllung nur Neid, Missgunst, Unglück über die Menschen gebracht. Deshalb soll es nun vernichtet werden. Dieser Vorgang ist nicht zu bremsen, denn ein spezielles Enzym sorgt dafür, dass Scheine, Plastikkarten, virtuelles Geld sich gleichermaßen auflösen.
Der Zuschauer blickt in die Schalterhalle einer Bank und kann verfolgen, wie unterschiedliche Figuren mit dieser Herausforderung umgehen. Lehrling Sabine ist froh, allen Leistungsdruck los zu sein, während die Bankangestellte große Probleme hat, sich ein Leben ohne Geld vorzustellen. Auch ein Tag ohne Arbeit erscheint wie eine Bedrohung. Ein Leben ohne Geld ist die blanke Zumutung. Der Indianer gibt freiwillig sein Geld ab, die Celebrity-Lady verliert total die Nerven, als sie mit der Tatsache der Geldauflösung konfrontiert wird. Der Bankräuber begreift erst langsam, dass er seine finanziellen Sorgen los ist. Ein ganzes Panoptikum von Figuren taucht in der Bank auf.
Wer die vorherigen Inszenierungen von Jule Ronstedt an der Schauburg kennt, weiß, dass sie auch bei dem ernsthaften Thema „Geld“ eine leichte Form gefunden hat, Zuschauer zum Denken anzuregen.

Bittere Erkenntnis
Unser Leben wird bestimmt vom Geld. Sich diesem Fakt entziehen zu wollen, scheint fast unmöglich. Selbst wer die Bedürfnislosigkeit wählt und dem Geld geringe Bedeutung beimisst, auch derjenige definiert sich über seine Haltung zum Geld. Geld ist zum wichtigsten Mittel geworden, um gesellschaftliche Klassen zu definieren. Das Kriterium ist ganz einfach: Wer hat Geld und wer nicht. Vormalige Kennzeichen für die Zugehörigkeit einer Klasse wie Tradition, Verantwortung, Solidarität, Aufstieg, Fleiß haben an Wert verloren.
Wer diese Tatsache klar ausspricht und behauptet, dass die Anerkennung eines Menschen mit der Größe seiner Brieftasche zunimmt, wird neben Zustimmung auch Protest ernten. Man wird diese Haltung als inhuman und oberflächlich bezeichnen und stattdessen von inneren Werten und der Persönlichkeit sprechen, die den Wert eines Menschen ausmachen. Offensichtlich haben wir eine gespaltene Haltung zum Geld: Einerseits ist es die wichtigste Triebfeder unseres Handelns und gleichzeitig gibt es eine Scham gegenüber dieser Tatsache. Denn die Erkenntnis, wonach nicht wir das Geld beherrschen, sondern das Geld uns, diese Erkenntnis ist bitter.

Banken machen Geld
Zunächst ist die Erfindung des Geldes eine bemerkenswerte kulturelle Leistung des Menschen. Geld wurde zum universellen Wertmesser, der den direkten Austausch von Waren erleichtert oder ersetzt. Außerdem ist Geld eine Recheneinheit, womit Preise verglichen werden können. Die Einführung einer abstrakten Maßeinheit wurde erforderlich, als Spezialisierung zu Warentausch und Handel führten. Zwischen dem Rübenbauern und dem Ziegenhirten waren Kriterien nötig, um zu klären, wie viele Rüben den Gegenwert einer Ziege darstellten. Dabei waren Angebot und Nachfrage die wesentlichen Faktoren.
Spezialisierung war ein zivilisatorischer Fortschritt, der das Leben vereinfachte und zugleich Probleme mit sich brachte. Denn nun gab es Menschen, die viel Geld hatten und fürchteten, dieses zu verlieren. Andere hatten zu wenig Geld. An dieser Stelle kommt die Bank ins Spiel. Der Reiche konnte sein Geld zur sicheren Aufbewahrung bei der Bank abliefern. Dafür erhielt er Zinsen. Der Arme konnte Geld leihen, und durch Arbeit die geliehene Summe samt höheren Zinsen zurückzahlen.
Das klingt nach einem fairen Deal. Das Problem erkennt man, wenn man sich anhand eines vereinfachten Modells klar macht, wie das Banken-Geschäft funktioniert: Angenommen, eine Bank verfügt über 100 Millionen Euro, die ihr von Besitzenden anvertraut wurde. Davon muss sie eine gesetzlich festgelegte Mindestreserve – sagen wir 10 % - einbehalten. Den Rest, also 90 Millionen Euro kann sie als Kredite vergeben. Jeder Kreditnehmer braucht ein Konto. Am einfachsten bei der Kredit gebenden Bank. Diese kann sogar zur Bedingung machen, dass der Kredit nur auf ein Konto derselben Bank ausgezahlt wird. Also kommt das Geld, das die Bank dem Kreditnehmer gibt, direkt zurück zur Bank. Das heißt, auf wundersame Weise hat die Bank ihr Guthaben um 90 Millionen Euro erhöht. Einfach durch Umbuchung. Von diesen 90 Millionen können wieder – abzüglich der Mindestreserve – 81 Millionen als Kredit vergeben werden, die wiederum in der eigenen Bank landen. So werden aus 100 Millionen Euro Einlage bis 900 Millionen Euro Darlehen, auf die 10 % Zinsen erhoben werden. Das ergibt einen Zinsertrag von 90 Millionen jährlich. Geld, das sozusagen durch „Luftnummern“ geschaffen wird und keinen Gegenwert in Form von Goldreserven, Ziegen oder Rüben aufweist. Man sieht, Banken verwalten Geld nicht, sie machen Geld. Und das ist ein Problem.

Geldprobleme
Geld ist ein wunderbares Medium, wenn es richtig eingesetzt wird. Wenn es nach Einsatzmöglichkeiten sucht, um Nutzen zu stiften. Gefährlich ist der Geldmarkt, der einem Casino gleicht: Mit immer neuen Tricks wird aus Geld mehr Geld gemacht, um es in der Hoffnung auf noch mehr Geld einzusetzen. So entstand ein Spiel um Geld, das an den internationalen Finanzmärkten mit immer höherem Einsatz und spekulativen Instrumenten gespielt wird.
Es gibt die Position, wonach Geld die Ursache allen Übels auf der Welt sei und deshalb abgeschafft werden sollte. Wenn man diesem Ratschlag folgte, wären all die damit verbundenen Probleme verschwunden. Aber man hätte neue. Denn auf Geld könnte man nur dann verzichten, wenn weltweit Überfluss herrschte. Da dies nicht der Fall ist, brauchen wir den Austausch, und der klappt nur über Geld. Geld ist also gut, wenn es Zielen dient, es ist sinnlos oder zerstörerisch, wenn diese fehlen.
Hemmungslose Verschuldung von Staaten, Firmen und Privatpersonen gilt heute als völlig normal. Über seine Verhältnisse zu leben gilt als Ausdruck von Lebensfreude, Optimismus und Vertrauen in die Zukunft. Aber ist dieses Vertrauen noch gerechtfertigt? Immer mehr Menschen ahnen, dass die Party vorbei ist. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind wir an einem Punkt der Entscheidung. Was ist wichtig? Welche Art von Wohlstand wollen wir anstreben. Es könnte sein, dass die neue Wohlstandsformel lautet: „Wohlstand heißt nicht, viel zu haben, sondern wenig zu benötigen“ (Meinhard Miegel, Exit).

Geld ausgeben
Wer träumt nicht davon, reich zu werden! Von allen Geldsorgen befreit zu sein, alles tun zu können, wonach einem der Sinn steht. Dies ist ein großer Menschheitstraum – aber nicht der Weg zum Glück. Weil Geld nicht das richtige Mittel ist, um den Weg zum Glück zu finden. Wie man seinen Platz in der Welt bewertet, hat viel mehr mit einem selbst zu tun als mit dem Geld, das man in der Tasche hat. „Man kann erkennen, ob sich jemand einmal oder fünfundvierzig Mal gebückt hat für Geld“ (Taison Heiss, Musiker).
Oft beginnt das Unglück schon damit, dass wir hartnäckig daran glauben, dass man etwas umsonst bekommen kann. Wir glauben an das sich selbst vermehrende Geld und daran, dass einer, der uns etwas zum halben Preis gibt, ein Wohltäter ist. Den Scharlatan erkennen wir nicht. Und so werden Schulden zur Schattenseite des Wohlstands und zu einem schweren Thema unserer Zeit.
Eine andere Form von Unglück ist der Überfluss, der uns umgibt. Er wirkt erdrückend auf unser Lebensgefühl. Man steht ständig unter Druck, mitzumachen, mitzukonsumieren, um dabei zu sein. Man zelebriert das Unwesentliche und bezahlt dies mit einer Arbeit, die nicht erfüllend ist. Statuserhöhung statt Zufriedenheit. Diese kann durch Konsum nie erreicht werden. Im Gegenteil: Konsumgüter erinnern den Konsumierenden daran, dass der Besitz doch nicht das versprochene Glück gebracht hat. Das neueste Handy verändert das Leben ebenso wenig wie die Anschaffung des neuesten S-Klasse-Modells. Kauf, bis du tot umfällst.

Fragen am Abgrund
Mehr Geld, mehr Wohlstand, mehr Fortschritt. Kann es unendliches Wachstum eigentlich geben? Wenn man sich in der Natur umschaut ist unendliches Wachstum eine Horrorvorstellung. Der Volksmund weiß: Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Der Wald wächst, und ab einer bestimmten Höhe bleibt er gleich. Zu jedem Wachsen gehört auch das Vergehen. Das heißt, in der Natur bedeutet Wachstum Umwandlung, Umgestaltung.
Können wir von der Natur lernen. Können wir unsere Vorstellung von Wachstum, Wohlstand zu Beginn des 21. Jahrhunderts so umgestalten, dass wir nicht in der Katastrophe enden? Oder wird die alte Indianer-Prophezeiung sich erfüllen: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werden die Menschen feststellen, dass man Geld nicht essen kann.“
Begriffe wie Wachstum und Wohlstand müssen neu definiert werden. Das ist die Aufgabe von Wissenschaft und Politik. Aber es ist sinnvoll für jeden einzelnen, sich die Fragen manchmal zu stellen. Weil er dann besser gewappnet ist in Zeiten, in denen das Geld nicht so üppig fließt wie bisher. Bürger, Kinder und Jugendliche in Griechenland oder Irland müssen derzeit diese Erfahrung machen.
Ältere Menschen können davon berichten, dass früher vor dem Geldausgeben das Sparen kam. Man sparte und konnte sich als Belohnung etwas leisten. Heute ist dieser „Belohnungsaufschub“ nicht mehr auszuhalten, wenn Geldausgeben zum Ersatz für wirkliches Leben geworden ist. Viele Menschen betrachten Besitz als Zeichen dafür, was ich mir leisten kann, zu welcher Konsumklasse ich gehöre. Gegenstände bekommen die Macht, etwas über die Person auszusagen, der Markenname springt vom Produkt auf dessen Besitzer über.
Weil Konsum und das dafür benötigte Geld eine immer größere Rolle spielen, verzichten Menschen sogar zugunsten des schnellen Geldes auf die Vorteile eines guten Lebens: Zum Beispiel einen interessanten Beruf mit leider nur mittlerem Einkommen. Ein Teufelskreis entsteht: Der Verzicht auf ein erfülltes Leben muss durch hohen Konsum kompensiert werden. „Überall berauscht und benebelt der Geruch des Geldes den Verstand“ (Barbara Ehrenreich, Angst vor dem Absturz). Wie Schlafwandler geistern wir durch die Shopping Mall, und wenn wir aufwachen würden, müssten wir feststellen, dass Geld nicht glücklich macht, es schafft nur den nötigen Wohlstand, um das Fehlen von Glück erträglich zu machen.

PS
Wir bieten die Vorstellung für Kids ab der fünften Klasse an, weil wir wissen, dass ab diesem Alter der Druck zum Konsumieren extrem hoch wird. Aber wir wissen gleichzeitig, dass junge Leute in diesem Alter noch keine BWL-Kurse belegt haben. Dieser Text ist einfach deshalb so abstrakt, weil das Thema Geld sehr komplex ist und wir nicht beim einfachen Zeigefinger stecken bleiben wollten: „Kinder, kauft nicht so viel. Seid ein bisschen bescheidener“. Das wäre weltfremd. Wer Kritik an den heutigen Umständen äußern will, muss sich auskennen. Zugleich ist das Thema so riesig, dass wir nicht den Anspruch haben konnten, alle Aspekte zu beleuchten.
Wenn es gelingt, dass manche Zuschauer sich nach der Vorstellung kurz fragen, welche Dinge ihnen wirklich wichtig sind und was unnütz und überflüssig ist, dann ist Gutes erreicht.
Kein Geld für niemand
von Jule Ronstedt
Ein Geldstück

Regie
Jule Ronstedt
Bühne und Kostüme
Andrea Fisser
Musikalische Leitung
Toni Matheis
Es spielen
Josephine Ehlert
Berit Menze/Verena Rendtorff
Lucca Züchner
Johannes Klama
Anton Algrang

Dauer ca. 75 Minuten
Für alle Pfennig- fuchser und Groschen- zähler ab 10 Jahren
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